Unsere Kurve – Mein Verein – Montag darf kein Spieltag sein!

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Unter dem Motto “Unsere Kurve, Mein Verein – Montag darf kein Spieltag sein!” bezieht die IG Unsere Kurve klar Position gegen die Montagsspiele in jeder Liga.

 

Warum gegen Montagsspiele?

Fußball hat viel mit Tradition und alten Werten zu tun. Und traditionell spielten die Mannschaften am Wochenende. Das waren der Samstag und der Sonntag. Hier und da gab es dann mal Spiele an einem Freitagabend. Aber auch hier wurde zuerst in der zweiten Liga “probiert”, um es dann in der ersten Liga regelmäßig einzusetzen. Im wesentlichen ging es ursprünglich ja einmal darum, dass den Zuschauern im Stadion etwas geboten wurde. Also den zahlreich erschienenen Anhängern. Live-Übertragungen waren nur selten im Fernsehen zu sehen. Wer ein aufregendes Spiel sehen wollte musste dazu eben in ein Stadion gehen. Das ging natürlich am Besten wenn man nicht arbeiten musste.

Aus heutiger Sicht ist das natürlich alles Unfug. Wer geht schon bei gefühlten minus 15 Grad und Regen in ein Stadion und friert sich über zwei Stunden den Hintern ab? Das alles lässt sich dank Sky und Sport1 heute ja viel bequemer und im Warmen zu Hause erleben. Dafür zahlt Sky und eben auch Sport1 eine hohe Summe an TV-Geldern, die dann den Vereinen zu Gute kommen.

Und was ist mit den Fans im Stadion? Denkt irgendein Funktionär heute noch darüber nach, wie die Anhänger es schaffen sollen, neben ihren beruflichen Verpflichtungen auch noch zu den Spielen an den Wochentagen zu kommen? Nein! Es geht in erster Linie um die Schaffung neuer Geldflüsse.

Wenn Fans die Montagsspiele kritisieren geht es ihnen um die Wahrung der Tradition. Das Zusammenkommen im Stadion. Das gemeinsame Erleben von Emotionen. Wut, Trauer und Freude. Das gesamte Repertoire an Gefühlen. Gemeinsam mit zehntausenden gegen den Block des Gegners. Dem vermeintlich Stärkeren ein Bein stellen. Sich wehren. Dagegen halten. Als David gegen Goliath zu kämpfen. Gefühle, die man im Grunde nur spürt, wenn hunderte und tausende daneben das Gleiche spüren. Daraus entsteht die Stimmung. Daraus entstehen die Momente, die man vor dem Fernseher eben nur bedingt erlebt. Da wird schon mal das eine oder andere Mikro leiser gedreht, um nicht vollends zu übersteuern. Da werden Kameraschwenks schon mal so ausgewählt, dass man den Eindruck einer vollen Kurve hat obwohl es gerade mal wieder ein Spiel ist, bei dem der Gegner nur 50 Zuschauer mitgebracht hat. Die Manipulation des Gesehenen ist beim Fernsehen heute schon üblich. Auch wenn die Werbung suggeriert, dass man “live dabei” sei oder eben “mittendrin statt nur dabei”. Wirklich und ehrlich fühlt man es eben nur im Stadion selbst und auch da nicht unbedingt in einer Loge.

Wenn nun die Montagsspiele der ersten Liga kommen, was ja offensichtlich beschlossene Sache ist, dann ist das die Fortsetzung der Spieltagszersplitterung. Dem Fernsehzuschauer ist das egal. Er kann ja den Festplattenreceiver programmieren und wenn er nach Hause kommt in Ruhe das Spiel ansehen.

Wie aber kommen Freiburger Anhänger an einem Montagabend nach Braunschweig und am nächsten Morgen auf ihren Arbeitsplatz? Wie schaffen es Stuttgarter Fans an einem Montagabend nach Bremen und am nächsten Morgen wieder zur Arbeit?

Ach ja, das sind ja nur ein paar Hundert oder Tausend. Da zählen die Zuschauer vor der Glotze natürlich viel mehr. Komm “Du willst es doch auch”!

Hat sich ein Funktionär mal darüber Gedanken gemacht was passiert, wenn in einem Stadion das “Gegenüber” fehlt? Also der Wettbewerb der Fans untereinander ausbleibt? Das ist dann der Moment, wo das “Produkt” Stimmung durch die Konserve “Stimmung” ersetzt wird. In Japan gibt es schon Stadien, in denen Folien mit Zuschauern über die Tribünen gelegt werden um den Anschein im Fernsehen zu erwecken, das Stadion sei gefüllt. Warum gibt es Stadien wie in Düsseldorf, in denen durch eine ausgeklügelte Optik der Eindruck erweckt wird, das Stadion sei gefüllt obwohl es ziemlich leer ist? Genau, man gaukelt dem Zuschauer vor dem Fernsehen eine “heile Welt” vor die in Wirklichkeit so nicht mehr existiert.

Die Forderungen der TV-Sender nach mehr “Exklusivität”, nach weniger Parallelität werden lauter werden, um die Wünsche der Vereine und Kapitalgesellschaften nach mehr Geld durch die TV-Einnahmen noch zu steigern. Betrachtet man sich die aktuellen Spielpläne, so gibt es im Grunde keinen Tag mehr an dem kein Fußball stattfindet. Zumindest nicht im europäischen Wettbewerb und den “englischen Wochen”.

Der Fan der alle Spiele seines Vereins im Stadion erleben will muss im Grunde ein Arbeitsloser sein. Nur kann er sich dann die Eintrittspreise und das Bier im Stadion nicht mehr leisten.

Darüber hinaus wird sich der tägliche Fußballkonsum im Fernsehen irgendwann auch totlaufen. Dann müssen neue “Events” her, damit die Sender ihre Einschaltquoten halten. Die Fußballspiele werden dann, wie einst die Tennis- und Radfahr-Events, fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Den Sendern ist das egal. Den Vereinen auch?

 

Warum sind wir also gegen Montagsspiele?

Weil es unsozial ist. Den Fans, die sich im Stadion um die Stimmung und die Emotionen Gedanken machen und dieses Erlebnis nicht gegen das TV-Event Bundesliga tauschen wollen, diesen Fans gegenüber sind Spiele an Wochentagen unsozial.

Darüber hinaus wird damit Stück für Stück die Stimmung im Stadion zerstört. Also die echte, die richtige Stimmung. Nicht das Klatschen mit Klatschpappen eines Sponsors. Wann wird auf den Anzeigetafeln stehen, dass jetzt applaudiert werden soll? Wann erscheinen die ersten Aufforderungen “Make NOISE”?

Lange wird es nicht mehr dauern. Gibt es ja heute schon Anläufe von Stadionsprechern die als “Animateure” versuchen das Publikum zu motivieren. Wenn dieser Zustand in den Stadien erreicht ist, dann hat das alles nichts mehr mit dem Fußball zu tun, der ursprünglich mal dem Arbeiter die Möglichkeit gab seinen Frust abzubauen, ein paar Bierchen mit Gleichgesinnten zu trinken und dabei Spaß zu haben. Ehrlichen, einfachen und ungeplanten Spaß.